„Losfahren und erwartet werden“

Eine schwere Diagnose wird zum Wendepunkt: Helmut Schuller verändert sein Leben radikal. Mit Ernährung, Bewegung und Glaube findet er neue Kraft – und pilgert schließlich 3.000 Kilometer bis ans Ende der Welt.

Als Helmut Schuller (67) mit einer schweren Diagnose konfrontiert wurde, fasste er den Entschluss, sein Leben zu ändern. Der Bauunternehmer, der neben Supermärkten sogar eine Kirche gebaut hat, entschied sich, statt Tabletten zu schlucken oder mehrere operative Eingriff evornehmen zu lassen, seine Ernährungsweise radikal umzustellen. Seitdem hält er sich an die Ernährungslehre der
Hildegard von Bingen, verzichtet fast gänzlich auf Fleisch und isst viel Dinkel und Gemüse. Auch das Kastanienmehl ist ihm mittlerweile heilig. 

Dazu verordnet er sich tägliche Bewegung und spult mit dem Fahrrad etliche Kilometer ab. Prozesse der Selbstrefl exion wurden in Gang gesetzt, und langsam, aber sicher entwickelte Helmut Schuller ein neues Lebensgefühl. Dies gab ihm Kraft und Mut, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Nach neun Jahren der Ungewissheit stand fest, was die Schulmediziner für unmöglich hielten: Anhand seiner Lebensphilosophie „Ernährung, Bewegung, Glaube“ hat sich der Patient selbst geheilt. Während der Zeit seiner Krankheit ist auch der
Wunsch gereift, im Heiligen Jahr 2010 den Jakobsweg zu unternehmen. Voller Energie und neuer Lebenskraft pilgerte er mit dem Fahrrad von seiner Heimatstadt Weiden in der Oberpfalz nach Santiago de Compostela. 

Seine Pilgerreise beendete er in Finisterre am sogenannten „Ende der Welt“ an der Atlantikküste. Die 3.000 Kilometer absolvierte er in 40 Tagen. Etliche Steigungen und Herausforderungen säumten seinen Weg durch die Schweiz, Frankreich und Spanien. Völlig unerfahren mit dieser Reiseform, war er am Anfang beladen wie ein Packesel. Doch nach und nach entledigte er sich des unnötigen Gepäcks und verschenkt viele seiner Sachen. So erleichtert und mit einer gesteigerten Fitness meisterte er die vielen Pässe mit etlichen Höhenmetern immer besser. Großartige Begegnungen mit anderen Pilgern und Herbergseltern machten seine Reise einzigartig. Voller Energie und neuer Lebenskraft erreichte er Santiago de Compostela.

Weitere Berichte

14.04.2026
Pilgerporträts

„Hilft gegen Fernweh nur Heimweh?“

Mit 25 alles hinter sich lassen: Eine Reise ins Unbekannte wird zur tiefen Begegnung mit sich selbst. Auf dem Jakobsweg wächst Vertrauen, Mut und die Erkenntnis, dass Heimat manchmal in uns selbst…
14.04.2026
Pilgerporträts
14.04.2026
Pilgerporträts

„Ich bin einfach losgelaufen“

Seit über 30 Jahren unterwegs: Barbara Hascher lebt das Pilgern mit beeindruckender Konsequenz. Ob Jakobsweg, Olavsweg oder Japan – ihre Wege zeigen, dass Aufbruch und Neugier kein Alter kennen.
14.04.2026
Pilgerporträts

„Einfach losgeh‘n auf der Via Baltica“

Vom Fernsehen auf den Jakobsweg: Heike Götz entdeckt das Pilgern als neue Perspektive auf ihre Heimat. Zwischen Via Baltica und Camino wird der Weg zur Reise nach innen – und zum Blick auf das, was…
14.04.2026
Pilgerporträts
10.04.2026
Anselm Grün

Anselm Grün: Wofür wir dankbar sein dürfen

Dankbarkeit gehört zu den stärksten Kräften unseres Lebens. Sie öffnet unseren Blick für das Wesentliche, schenkt innere Ruhe und lässt uns erkennen, wie wertvoll jeder Tag ist. Dankbar sein, heißt…
10.04.2026
Klosterwissen Garten

Rosen von Ittingen

Wenn der Frühling ins Thurtal zieht, beginnt in der Kartause Ittingen die Rosenzeit. Rund 1000 historische Rosenstöcke werden hier von der Rosengesellschaft Winterthur gepflegt und geschnitten.…
10.04.2026
Nachhaltigkeit

Die Gemüseretterin

Krumm, zu klein, mit Macken – vieles, was auf unseren Feldern wächst, entspricht nicht der Norm des Handels und wird deshalb aussortiert. Für Heike Fehmel aus der Pfalz sind genau diese Lebensmittel…