„Hilft gegen Fernweh nur Heimweh?“

Mit 25 alles hinter sich lassen: Eine Reise ins Unbekannte wird zur tiefen Begegnung mit sich selbst. Auf dem Jakobsweg wächst Vertrauen, Mut und die Erkenntnis, dass Heimat manchmal in uns selbst liegt.

Ich hatte Fernweh. Sehnsucht nach Reisen ins Unbekannte; nach Begegnungen mit Menschen, die ihrerseits unsere wunderbar bunte Welt auf den unterschiedlichsten Wegen erkunden; nach einem Alltag, der keiner ist; nach einem waschechten und ausgewachsenen Abenteuer.
Kurz nach meinem 25. Geburtstag machte ich mich auf die Reise, die mein Leben verändern sollte. Ich packte mein Leben in ein paar Kartons und verstaute diese auf dem Dachboden meines Elternhauses. Was übrig blieb, waren 16 Kilo Equipment in einem Rucksack – wie sich herausstellen würde, war das immer noch zu viel! Diesen geschultert und mit Tränen in den Augen verabschiedete ich meine Mama am Bahnhof – und änderte alles.

Ohne zu ahnen, was die kommenden Wochen für mich bereithalten würden, stapfte ich tapfer los. Ich stieß immer wieder an meine körperlichen und mentalen Grenzen. Noch nie zuvor war ich so weit und so lange und so alleine von zu Hause weg gewesen. Und noch nie habe ich so viel über mich gelernt. Die Reise durch Nordspanien wurde zu einer Reise zu mir selbst. Meine Zweifel beiseitezulegen und mich auf dieses Abenteuer zu begeben, betrachte ich bis zum heutigen Tage als möglicherweise größten Wendepunkt meines Lebens. Ich habe großes Vertrauen in meine Intuition und Entscheidungskraft gewonnen, die ich auf der Reise in so vielen unterschiedlichen Situationen ausprobieren und unter Beweis stellen durfte. Ich weiß jetzt, dass ich große Aufgaben meistern werde, und begegne ihnen seither mit Zuversicht und der Gewissheit, dass ich auf mich zählen kann.

Bis heute beziehe ich viel Kraft aus meinen Erlebnissen und Erfahrungen auf dem Jakobsweg und lerne (auch im Rückblick) immer weiter, wer ich bin. Die großen „Veränderungen“ kamen nicht von einem Tag auf den anderen. Aber jeder Moment baut auf den vorhergehenden auf. So formt mich mein Camino wohl für den Rest meines Lebens. Ich habe mein Zuhause gefunden. Tief drinnen, in meinem Herzen verwurzelt ist ein Ort, meine Heimat, die ich immer bei mir trage.

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