„Ach, in Deutschland gibt es auch Jakobswege?“
Um rauszukommen vom kräftezehrenden Beruf als Physiotherapeut und auch mal Zeit nur für sich zu haben, geht Michael Berg jedes Jahr mindestens eine Woche Pilgern. Durch das mediale Echo auf Hape Kerkerlings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ entwickelte sich bei ihm zuerst eine Schwärmerei fürs Pilgern. Die eigene Pilgerreise war noch weit entfernt, erst im Rentenalter wollte er sich aufmachen. Ein zufällig gefundener Artikel in einem Wandermagazin über Jakobswege in Deutschland inspirierte ihn, das Projekt Pilgern sofort umzusetzen. So startete er im November 2018 in Bremen seine erste Pilgerreise. Michael gehört keiner Kirche an, lebt einen offenen Glauben und spürt eine starke Gottverbundenheit in der Natur. Seine erste Pilgerwoche blieb ihm so positiv und nachdrücklich in Erinnerung, dass er 2019 gleich zweimal auf Pilgerschaft ging.
Beim zweiten Mal war sein Sohn Paul mit von der Partie, der sich von den Schwärmereien des Papas, der zu Hause immer wieder begeistert von den Begegnungen und Erlebnissen auf dem Jakobsweg erzählte, anstecken ließ. Das Vater-Sohn-Gespann ging über die nächsten Jahre von Osnabrück bis nach Köln. Sohn Paul definierte Köln für sich als Santiago und beendete am Kölner Dom seinen Jakobsweg. Bevor sie das Ziel erreichten, war in Wuppertal ihre ganze Flexibilität gefragt, als die Wupper im Sommer 2021 über die Ufer trat und Wege unpassierbar machte.
Die Beziehung zwischen Vater und Sohn wurde auf eine Probe gestellt, es galt, zusammenzuhalten und sich nach Alternativen umzusehen.
Die Übernachtungssituation ist nicht immer einfach. Um unabhängiger zu sein, hat sich Michael, wieder alleine unterwegs, ein Tarp mit Hängematte gekauft, das er auf seine Pilgerreisen mitnimmt. Da manchmal auch die Versorgungslage schwierig ist, kann es vorkommen, dass es zwei Tage nur Obst und Müsli gibt. „Das Frühstück am dritten Tag in einem kleinen Café war dann einfach himmlisch“, schwärmt Michael noch heute.