„Ich bin einfach losgelaufen“
Barbara Hascher war schon oft auf Wallfahrten gewesen, als sie von Freunden vom Jakobsweg erfährt. Noch als Lehrerin tätig, geht sie kurzerhand 1993 während der Sommerferien auf dem Camino Francés nach Santiago de Compostela. Durch den Pilgerausweis, den sie von der Deutschen Jakobusgesellschaft in Aachen erhält, erfährt sie von der Jakobusbruderschaft Düsseldorf nahe ihrer Heimat. Sie tritt dort ein und beginnt ihre Pilgerlaufbahn.
Mittlerweile ist Barbara pensioniert und versucht, alle großen Strecken als Pilgerin zurückzulegen. Besucht sie das Grab ihrer Mutter in Leipzig, geht sie zu Fuß. Um dann weiter zu ihrer Tochter nach Nürnberg zu kommen, wählt sie wieder einen Jakobsweg. Auch als Herbergsmutter in La Faba, kurz vor dem O Cebreiro, hat sie schon gewirkt. Und sie führt jedes Jahr Pilgergruppen an den Fastensonntagen durchs Ruhrgebiet. Doch nicht nur die Jakobswege fesseln sie. Den ältesten Pilgerweg der Welt, den Shikoku-Pilgerweg rund um die gleichnamige japanische Insel mit seinen 88 Tempeln, begann sie mit Ende 70 im Jahr 2019, gerade noch bevor die Corona-Pandemie das Reisen unmöglich machte. Vorher war sie mit Enkel Jonathan auf dem Olavsweg von Schweden nach Norwegen unterwegs.
Die Abmachung war, dass Jonathan das Gepäck trug und die Oma die Unterkünfte zahlte. „Das hat mir dann in Japan gefehlt“, lacht die unermüdliche Pilgerin. Aber sie kann sich gut beschränken und war in den sechs Wochen von Ende September bis Anfang November auf der 1.200 Kilometer langen Strecke mit nur sieben Kilogramm unterwegs. Von den 88 Tempeln hat sie um die 60 besucht. Zu manchen im Gebirge führen über tausend Stufen hinauf. Hoch schafft es Barbara immer, beim Runtergehen zwicken ein bisschen die Knie. So wollte sie gleich in den nächsten beiden Jahren den Rest des Shikoku Pilgerweges gehen, doch das war leider nicht möglich. Dieses Jahr, pünktlich zum runden Geburtstag, wird der wunderschöne Weg zu Ende gegangen.
Dann ist wieder Zeit für neue Pilgerwege.