„Einfach losgeh‘n auf der Via Baltica“

Vom Fernsehen auf den Jakobsweg: Heike Götz entdeckt das Pilgern als neue Perspektive auf ihre Heimat. Zwischen Via Baltica und Camino wird der Weg zur Reise nach innen – und zum Blick auf das, was bleibt und sich verändert.

Bekannt ist Heike Götz als Moderatorin mit dem roten Fahrrad, die den Norden Deutschlands in der NDR-Sendung „Landpartie“ präsentiert. Auch pilgernd hat sie ihre Heimat schon unter die Lupe genommen. So konnte man sie in fünf Staffeln „Pilgern im Norden“ auf der Via Baltica begleiten. Doch das Pilgern begann 2009 zusammen mit ihrem Mann Detlef auf dem Jakobsweg in Spanien. Die beiden wollten im Winter durch Südamerika reisen und dafür im Sommer davor etwas Spanisch lernen. Nun stand die Entscheidung an zwischen einer Sprachreise in Spanien und einer bei beiden ebenfalls sehr beliebten Wanderung durch die Alpen. 

Eine Pilgertour auf dem Camino Francés vereinte schließlich beide Interessen. Und so vollzog Heike Götz die Transformation von der Wanderin zur Pilgerin. „Beim Wandern geht man durch schöne Landschaften zu einem ausgesuchten Ziel“, versucht sie den Unterschied zum Pilgern zu ergründen. „Beim Pilgern gehe ich immer Richtung Westen nach Santiago. Der Weg führt auch, aber nicht nur durch ausgesucht hübsche Gegenden. Und ich weiß mich auf dem Jakobsweg verbunden mit einer ganz alten christlichen Tradition.“ Nach dem Camino Francés folgte der Camino del Norte und weitere Wege in Deutschland. Die Via Regia von Görlitz nach Leipzig gehörte dazu, und immer wieder die Via Baltica. Nach dem Pilgern fürs Fernsehen machte sie sich im Sommer 2021 nochmal ganz neu auf die Via Baltica. Voller Emotionen war es für sie, Grimmen als Pilgerin zu erleben, der Ort, in dem sie aufgewachsen ist. 

„Wie oft bin ich früher diese Straßen entlang gegangen oder gefahren? Aber noch nie habe ich mich meiner Heimatstadt zu Fuß als Pilgerin genähert. Es ist besonders, die eigene Stadt mit den Augen einer Durchreisenden zu sehen und auch zu spüren, dass Grimmen das Schicksal so vieler Kleinstädte teilt. Ich habe oft auf dieser Pilgertour über Veränderungen in meinem Leben und in der Welt nachgedacht. Wie sieht wohl die Zukunft dieses hübschen alten Ackerbürgerstädtchen aus?“

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