„Man lebt nur einmal und sollte seinem Herzen folgen“
Ich will später mal meinen Enkelkindern nicht erzählen, dass ich nie den Mut hatte, das zu tun, wofür ich brenne.“ Florian Kossmann hatte über 13 Jahre Berufsleben hinter sich, als er mit fast 30 Jahren 2018 zum ersten Mal auf den Jakobsweg nach Spanien ging. Die Pilgerreise wollte er nutzen, um über die letzten zehn Jahre nachzudenken. „Die bevorstehende 30 machte mir zwar keine Angst, jedoch wollte ich den Eintritt in ein neues Lebensjahrzehnt nutzen, um zu reflektieren.“
Auf dem Camino Francés führte ihn sein Weg von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela und weiter nach Muxia. Nicht Finisterre und das sogenannte Ende der Welt sollten sein Ziel sein. „Das wäre mir zu überlaufen gewesen“, erklärt Florian seine Entscheidung für das ruhigere Muxia. „Als ich hier über den letzten Hügel mit den Eukalyptusbäumen gegangen bin, habe ich das Meer in der Ferne aufblitzen sehen. Das war ein Gänsehautmoment für mich.“
Nach der Ankunft in Muxia blieben ihm noch ein paar Urlaubstage, die er an der Algarve in Portugal verbrachte und über seine Pilgerreise nachsann. „Auf dem Heimflug nach dieser langen Reise weinte ich“, gibt Florian zu. Die Sehnsucht, länger zu reisen und ein freieres Leben zu führen, das sich bei ihm nach dem Schauen des Films „Into the Wild“ herauskristallisierte, war jetzt ins Unendliche gewachsen. „Ein Jahr später war ich aber auch weiterhin in meinem normalen Job beschäftigt.“ Den Jahresurlaub nutzte er, um den Eifel-Camino in Deutschland zu erwandern. Von seiner Heimatstadt Andernach bis nach Trier erlebte er so viele magische Momente, dass er danach ein Buch über seine Reise schrieb. „Bücher sind mein Leben“, sagt der leidenschaftliche Leser.
Auf dem Eifel-Camino traf er einen Fernwanderer, der von Gibraltar ans Nordkap laufen wollte und auch den Plan hatte, darüber zu schreiben. „Das imponierte mir sehr, sodass ich das auch machen wollte.“ Und vor allen Dingen „habe ich auf dem Eifel-Camino erlebt, dass die Deutschen gastfreundlicher und hilfsbereiter sind, als ihnen nachgesagt wird“.