Camino Primitivo
Camino Primitivo heißt übersetzt: der ursprüngliche Weg. Er wurde von den Bewohnern Asturiens und Galiciens als erster Pilgerweg bereits im 9. und bis weit ins 10. Jahrhundert genutzt. Der Camino Francés gewann erst ab dem 11. und 12. Jahrhundert an Bedeutung.
Unterwegs auf alten Römerstraßen
Wer auf dem Camino Primitivo pilgert, ist auf ehemaligen Römerstraßen unterwegs und pilgert auch auf den Spuren von König Alfons II., genannt der Keusche, damaliger Herrscher über das asturisch-galicische Königreich. Im Jahr 2015 wurde der Weg von der UNESCO, gemeinsam mit dem Camino del Norte, zum Weltkulturerbe ernannt.
Nachdem das Grab des Jakobus entdeckt worden war – zwischen 818 und 834 – und von Theodemir, dem Bischof von Iria Flavia, bestätigt wurde, pilgerte König Alfons II. zum Grab und veranlasste, im heutigen Santiago de Compostela die erste Kirche zu bauen. Der König wuchs im Kloster Samos auf und war sehr gläubig. Die Verehrung des heiligen Jakobus durch ihn war für die Festigung des Heiligenkultes entscheidend.
Von den Pilgern, die sich für diesen Weg entscheiden, kehren fast alle begeistert zurück und bezeichnen ihn als den schönsten aller Pilgerpfade in Spanien.
Der Weg führt durch die herausfordernde und faszinierende Bergwelt des Kantabrischen Gebirges von Asturien und weiter über die grünen Hügel Galiciens. Der Start des Weges ist in Oviedo an der Kathedrale. Auf der gesamten Strecke gibt es immer wieder Alternativrouten, die in den gängigen Pilgerführern genau beschrieben sind.
Der Weg trifft auf den Camino Francés
In Melide oder Arzúa mündet der Weg in den Camino Francés. In Lugo kann man sich entscheiden, die kürzere und traditionelle Strecke nach Melide zu wählen, und so noch 51 Kilometer auf dem Hauptweg unterwegs zu sein. Wer die Alternative über Arzua geht, hat zehn Kilometer weniger auf dem Camino Francés vor sich und kommt vor Sobrado dos Monxes auf den Küstenweg. Zwischen Küstenweg und Camino Francés kann der Primitivo als Verbindungsroute gegangen werden. Dazu nimmt man den Zubringer bei Casquita, kurz hinter Villaviciosa, und kommt nach knapp 42 Kilometern nach Oviedo.
Oviedo hatte eine große Bedeutung für die Pilger
Der Camino Primitivo beginnt in Oviedo, das ursprünglich als Ovetum bezeichnet und im Mittelalter zur Hauptstadt des damals unabhängigen Königreichs Asturien erhoben wurde. Der Weg beginnt an der Kathedrale San Salvador. In der Cámara Santa, der heiligen Kammer, die zum Gebäudekomplex der Kathedrale gehört, werden in einem silbernen Schrein das Schweißtuch von Oviedo, Dornen aus der Dornenkrone Christi und Kreuzsplitter aufbewahrt. Diese so wichtigen Reliquien veranlassten die Pilger im Mittelalter, auf jeden Fall einen Besuch in Oviedo einzuplanen, auch wenn die Stadt nicht auf dem direkten Weg nach Santiago lag.
„Wer nach Santiago geht und bleibt Oviedo fern, besucht den Knecht und nicht den Herrn”, besagt ein mittelalterliches Stichwort
Selbst nachdem König Alfons III. die Hauptstadt von Asturien nach León verlegte und der Camino Francés als bevorzugte Pilgerroute gefördert wurde, war der Camino Primitivo im Mittelalter wichtig. Um die Reliquien zu besuchen, bog man vom Camino Francés in León nördlich ab und ging über den Camino del Salvador, benannt nach der Kathedrale Oviedos, die 120 Kilometer nach Oviedo. Von dort ging es dann über den Primitivo wieder zurück auf den Camino Francés.
Erfahrung am Berg und gute Kondition sind notwendig
Wer die Schönheit des Camino Primitivo entdecken möchte, muss sich auf anspruchsvolle Auf- und Abstiege einstellen. Dafür werden die Pilger mit unberührter Natur und wohltuender Ruhe belohnt. An einigen Stellen gibt es Alternativrouten, um schwierige Etappen mit vielen Höhenmetern bei schlechtem Wetter auszusparen.
Der Weg kann durchaus als Bergwanderweg bezeichnet werden und setzt eine gute Kondition und Trittsicherheit voraus. Für Pilger-Neulinge ist er nicht geeignet. Doch mit Wandererfahrung und Abenteuerlust ist der Weg gut zu bewältigen.
Pilgerherbergen sind ausreichend vorhanden
Die Strecke führt von Borres auf der ursprünglichen Route über Hospitales nach Berducedo an mehreren Pilgerhospiz-Ruinen vorbei, die auf einem Berggrat erbaut wurden. Sie lassen erahnen, welche Bedeutung der Camino in der Vergangenheit hatte. Dabei erreichen die Pilger auch den höchsten Punkt des Weges, auf 1.216 Metern gelegen.
Die Markierungen sind durchgehend gut zu finden. Es gibt nicht so viele Einkaufsmöglichkeiten, daher muss vorher gut geplant und Proviant für den Tag auch transportiert werden. Günstige Pilgerherbergen sind ausreichend vorhanden, nur selten sind es mehr als 20 Kilometer von Unterkunft zu Unterkunft.
Camino Primitivo heißt übersetzt: der ursprüngliche Weg.
Er wurde von den Bewohnern Asturiens und Galiciens als erster Pilgerweg bereits im 9. und bis weit ins 10. Jahrhundert genutzt. Der Camino Francés gewann erst ab dem 11. und 12. Jahrhundert an Bedeutung.
Autorin: Beate Steger