Sanfte Hilfe bei Schmerzen und Entzündungen
Es ist wirklich fast ein Wunder: Bricht ein Blatt der „Tausendwunderpflanze“ ab und fällt zu Boden, dann dauert es nicht lange, bis sich erste Wurzeln zeigen und am Rande des Blattes kleine Pflänzchen sprießen“, begeistert sich Schwester Birgit Bek. Die wundersame Pflanze heißt auch Keimblatt. Tochterpflänzchen können auch auf vielen Blättern an der Mutterpflanze entstehen.
Vitale Pflanze voller Lebenskraft
„Das Keimblatt steckt voller Lebenskraft, da ist es kein Wunder, dass es eine nützliche Heilpflanze ist. Eine so vitale Pflanze hilft auch uns Menschen“, sagt die Kräuterexpertin – sie ist Phytopraktikerin und Leiterin der großen Gärtnerei im Kloster Reute bei Bad Waldsee. „Es gibt in der Natur so vieles, das uns helfen kann, wenn wir krank sind“, weiß die Kräuterschwester aus Reute.
„In der Apotheke Gottes ist das Keimblatt eine ausgezeichnete Erste-Hilfe-Pflanze.“
Breit sind die Anwendungsbereiche: Bei Verletzungen der Haut, etwa Insektenstichen, Schwellungen, bei Juckreiz oder kleinen Verbrennungen wirkt der Saft der Blätter lindernd. Auch bei Verstauchungen, bei Arthritis und anderen Gelenkentzündungen, bei Rheuma, bei Fersensporn oder gegen Dornwarzen ist das Keimblatt eine Hilfe. Und sogar gegen Ohren-, Kopf- und Zahnschmerzen kann man es einsetzen.
Heilpflanze aus Brasilien
Birgit Bek und die Schwestern aus Reute haben das Keimblatt vor vielen Jahren für sich entdeckt: „Eine Mitschwester, die im Nordosten Brasiliens in der Mission tätig war, brachte uns die dort hochgeschätzte Heilpflanze mit“, erzählt Schwester Birgit. Seitdem kultivieren die Ordensfrauen das Keimblatt in ihrem Gewächshaus in Reute.
Doch bereits im Jahr 1814 fand die Pflanze erstmals nach Deutschland. Unter anderem erhielt der Botanische Garten „Belvedere“ in Weimar ein Exemplar. Dort fiel die Pflanze Johann Wolfgang von Goethe auf. Sie faszinierte den Dichter so sehr, dass er an die Vermehrung der Pflanze ging, um sie genauer zu beobachten. Er schrieb an zwei wissenschaftlichen Abhandlungen, die aber nie fertig wurden. Doch 1830 widmete Goethe dem Keimblatt immerhin ein Gedicht.
Keimblatt für zu Hause
„Auch bei uns kann das Keimblatt gezogen werden“, sagt Schwester Birgit.
„Es ist anspruchslos und kann gut als ausdauernde Zimmerpflanze gehalten werden.“
Nährstoffreiche Erde oder regelmäßige Düngung, viel Wärme, nicht zu direkte Sonne und regelmäßiges Gießen: Das liebt das Keimblatt sehr. Aber: „Temperaturen von weniger als 12 Grad verträgt es nicht gut. Dann zeigt es schnell Erfrierungen.“
Autor: Hubert Mathes