Die Forellen der Zisterzienser
Frisch ist es in Himmerod. Der Wind treibt Regenwolken über die Eifelhöhen. Doch an den Bäumen und auf den Wiesen zeigt sich sanftes Grün. Langsam zieht der Frühling ein im Tal der Salm, einem Nebenfluss der Mosel. In der Klosterfischerei Himmerod ist Hochsaison. Jetzt zur Osterzeit werden besonders viele Forellen gefangen und verkauft. Die Zucht der Tiere ist eng mit dem Kloster verbunden.
„Wasser gehört stets zu einem Zisterzienserkloster. Auch die Fischzucht gab es bei uns seit jeher“, sagt Himmerods Abt, Dr. Johannes Müller.
Große Fischzucht
Im Mittelalter spielte Fisch für die Ernährung der Mönche eine wichtige Rolle, denn es galt ein strenges Fleischverbot. Fisch war somit das Festessen für Sonn- und Feiertage. Um den damals riesigen Konvent mit bis zu 500 Mönchen in Himmerod zu versorgen, mussten große Mengen davon auf den Tisch. „Daher gab es eine eigene Fischzucht mit vielen Teichen“, erzählt Abt Johannes Müller.
Einige dieser Fischteiche bestehen bis heute.
Schon vor Jahren verpachtete die kleiner und älter werdende Mönchsgemeinschaft einen Teil der Gewässer.
Zucht und Verkauf der Fische werden seitdem von der Divendo Integration verantwortet, einem Betrieb des Deutschen Roten Kreuzes in Trier. Er beschäftigt Menschen mit Handicap und Langzeitarbeitslose.
Jungfische sind „Eifelaner“
Unter der Führung von Fischwirtschaftsmeister und Betriebsleiter Torsten Wienert kümmern sich die Mitarbeiter um zehn Teiche mit Regenbogen- und Lachsforellen. Als junge Setzlinge von rund 100 Gramm kommen die Tiere aufs Klostergelände.
Die Jungfische sind „Eifelaner“, denn sie stammen von einem Züchter der Region. Regelmäßig mit Futter versorgt, wachsen sie in drei Monaten auf 35 bis 40 Zentimeter Länge heran. Weil auch die Fischreiher die Himmeroder Forellen lieben, müssen die Teiche mit Netzen geschützt werden.
Die Himmeroder Forelle
Diesen Luxus kennen die im benachbarten Flüsschen Salm lebenden wilden Forellen nicht. Das Gewässer hat seinen Namen von einem besonders wertvollen Speisefisch, dem Lachs, der früher in die Salm zum Laichen aufstieg. Inzwischen aber hat sich die Wasserqualität verändert, Lachse gibt es nicht mehr.
Die Himmeroder Forellen hingegen leben in bester Umgebung. Jeden Morgen prüft Betriebsleiter Torsten Wienert Sauerstoffgehalt und Temperatur, regelmäßig wird der pH-Wert getestet. Für Frischwasser sorgt ein Kanalsystem. Jeder Teich kann bis zu einer Tonne Fisch enthalten.
Trocknen und Räuchern
Sind die Forellen groß genug, werden sie abgefischt und für zwei Tage in ein besonderes Hälterbecken gesetzt, bevor ihr Leben zu Ende geht. Die meisten Fische kommen anschließend über Nacht in ein Salzbad, anderntags steht das Trocknen und Räuchern an. Nach einer weiteren Nacht in der Kühlung werden sie von Hand filetiert, eventuell gewürzt und eingeschweißt.
„Wir liefern nahezu Bio-Qualität“, betont Torsten Wienert.
Im Umkreis von 50 Kilometern um das Kloster versorgen er und sein Team die Kunden mit der Ware.
„Weiter lohnt es sich nicht, dafür ist der Sprit zu teuer. Anfragen gibt es aber.“ Beliefert werden eine Supermarktkette und die gehobene regionale Gastronomie, die auch küchenfertig ausgenommene, rohe Fische wünscht.
Fangfrische Ware
Ein Abnehmer befindet sich in unmittelbarer Nähe: Die Klostergaststätte Himmerod benötigt für ihre Gäste pro Woche rund 70 Forellen. „Sie werden uns jeweils am Vormittag aus der Fischerei gebracht“, sagt Küchenchef Günther Rüdiger. „Mit fangfrischer Ware zu arbeiten, das macht Spaß. Und die Forellen gehen bei uns im Haus richtig gut, weil die Leute wissen, dass sie von hier sind.“
Forelle “Müllerinnen Art”
Die Fische wälzt der Koch kurz in Mehl, dann geht’s für sie ins heiße Fett. Zu den Forellen „Müllerin Art“ passen Salzkartoffeln und eine Salatgarnitur. Der Küchenchef verrät noch einen Trick:
„Über den Fisch muss zuletzt etwas flüssige Butter gegossen werden. Dann schmeckt das richtig gut!“
Im Herbst wurde bekannt, dass die letzten fünf bis sechs Zisterziensermönche das Kloster Himmerod verlassen werden. Sie sind einfach zu wenige für die riesige Klosteranlage, die Kirche, das Gästehaus und die anderen Gebäude. „Kloster ist Gebet, heißt aber auch Arbeit. Und zwar in dieser Reihenfolge“, so Abt Johannes Müller.
Im Versuch, das Kloster zu erhalten, liege trotz vielfältiger Unterstützung auch Überforderung. „Unsere Hauptaufgaben als Mönche sind ja der Gottesdienst und das gemeinsame Leben. Der Erhalt eines Klosters ist kein Selbstzweck.“
Eine jahrhundertelange Tradition geht zu Ende
Wenn die „weißen Mönche“ aus Himmerod ausziehen, wird eine jahrhundertelange Tradition zu Ende gehen, die 1134/1135 begann. Kirche und Gebäude gehen an das Bistum Trier, das sich um eine entsprechende Nutzung bemüht.
„Himmerod wird ein geistlicher Ort bleiben, mit seiner besonderen Ausstrahlung, mit durchbeteten Mauern“, ist der Zisterzienserabt überzeugt.
„Daher lohnt es sich weiterhin, hierher zu kommen.“ Viele Gäste seien auf der Suche. „Vielleicht wissen sie nicht genau, was sie suchen. Aber hier finden sie einen ,Anders-Ort‘.“ Der biete einen offenen Raum für die Seele, für Fragen, die in der schnelllebigen Gegenwart vielfach nicht mehr passten. Das werde auch in Zukunft so sein.
Angler dürfen ihr Glück probieren
Nur Pater Stephan wird weiter in Himmerod wohnen: Der Mönch mit den weißen Haaren lebt bereits seit rund 60 Jahren in dem Kloster und nutzte den Fischteich früher sogar zum Baden. Auch die Klostergaststätte und die Fischerei bleiben erhalten.
Angler mit entsprechenden Lizenzen dürfen in zwei Teichen übrigens selbst die Rute auswerfen. Das macht auch Torsten Wienert hin und wieder. Er liebt die Geduld, die es zum Angeln braucht, und die Ruhe am Wasser. In Himmerod, mit Blick auf die Klosteranlagen, hat die Stille eine besondere Qualität.
Autor: Hubert Mathes