Die Zwillinge und ihre Ziegen
Mit Bärlauch oder mit Basilikum, mit Schnittlauch, Walnuss & Öl, Zitronenpfeffer oder ganz schlicht Natur: Mehr als 40 Ziegenkäse-Variationen finden sich in der Käsetheke und in den Regalen.
Der Hofladen der „Meckerei“ im pfälzischen Landau ist ein Ort zum Verweilen, zum Schauen, zum Probieren, zum Reden – und zum Kauf der leckeren Produkte natürlich. Der Laden ist im weißen Landhausstil eingerichtet, an den Wänden Bilder, hübsche Dekoelemente und Gerätschaften, die mit der Käseproduktion zu tun haben.
Die Zwillingsschwestern Michaela Rahm und Claudia Osche – Anfang 50, jugendlich, blaue Augen und frecher Kurzhaarschnitt – beraten ihre Kunden gern. Viele davon kennen sie, und die „Neuen“ werden sofort in ein freundliches Gespräch gezogen.
Ziegenprodukte erleben schon seit einigen Jahren eine Renaissance. Inzwischen gibt es Ziegenhöfe nicht nur im Allgäu oder in Alpentälern, sondern auch auf dem „flachen Land“. Die „Meckerei“ ist ein Familienbetrieb. Vor rund zehn Jahren haben Michaela Rahm und ihr Ehemann Jochem den Aussiedlerhof von ihrem Onkel übernommen. „Chefin“ ist Michaela, aber auch ihre Schwester Claudia, eine gelernte Floristin, und die Kinder arbeiten mit. Ihr Mann ist nur noch in Teilzeit in seinem Försterberuf tätig und ist fest eingeplant in der „Meckerei“.
Ziegenhaltung mit Herz
Die Familie hält gut 50 Ziegen, in der Mehrzahl Weiße Deutsche Edelziegen. Zwischen September und Dezember ist der Bock mit in der Ziegenherde, um für Nachwuchs und damit für die Milch zu sorgen. „Über den Winter stehen die Ziegen trocken, werden nicht gemolken und können sich eine Auszeit nehmen“, so Michaela augenzwinkernd. Die Tiere sollen es gut haben auf dem Hof. Wenn ab Mitte Februar rund hundert Zicklein geboren werden, wird es richtig lebendig in der „Meckerei“. „Unsere Mädels“, so nennt Michaela liebevoll die Ziegen, „schaffen die Geburt weitgehend allein. Aber ein waches Auge und manchmal eine helfende Hand brauchen sie trotzdem“, erzählt sie. Michaela: „Unsere Mädels schaffen die Geburt weitgehend allein. Aber ein waches Auge und manchmal eine helfende Hand brauchen sie trotzdem.“
In diesen Wochen haben vor allem die Zwillingsschwestern eine Menge zu tun, ihr Tag beginnt früh und endet spät. Ihr Leben und ihre Arbeit hätten wenig mit dem Heile-Welt-Bild aus den Heidi-Filmen zu tun, räumen Michaela und Claudia mit einem Klischee auf: „Wir machen einen harten Job.“ Dennoch können sie sich ein anderes Leben kaum vorstellen.
Tägliches Melken mit System
Wenn sie morgens gegen 6 Uhr den Stall betreten, werden sie schon mit freudigem Meckern begrüßt. Die Ziegen wissen: Jetzt steht das morgendliche Melken auf der Tagesordnung – das sich abends nochmals wiederholt. Über eine Holzstiege klettern die Tiere von einem Zwischengang aus mühelos in den höher liegenden Melkstand. Das im Trog des Melkstands angebotene Futter ist Anreiz genug, damit sie sich in Reih und Glied zum Melken aufstellen. Es folgt das Säubern der prallen Euter und das sogenannte Vormelken. „Wollten wir nur mit der Hand melken, wäre das nicht zu schaffen“, erläutert Michaela.
Michaela: „Wollten wir nur mit der Hand melken, wäre das nicht zu schaffen.“
Sauberkeit und Hygiene sind für Michaela „superwichtige Begriffe“ in allen Arbeitsabläufen. Das beginnt im Stall mit immer frischem Stroh und Heu, führt über die Hygiene im Melkstand und die regelmäßige Desinfektion aller Maschinen und Behälter über die Kühlkette bis in die blitzblanke Sauberkeit der Käserei.
Michaela hat alles von der Pike auf gelernt
Mittelpunkt der Käserei ist der „Pasteur“, ein Käsekessel mit 600 Litern Volumen. Der an diesem Tag zu produzierende Käse bestimmt Temperatur, Arbeitsschritte und Zutaten – oft sind es Kräuter, die dem Käse eine besondere Prägung geben. „Wir verarbeiten im Jahr rund 30 000 Liter Ziegenmilch“, sagt Michaela, und dabei klingt berechtigter Stolz mit. Sie hat die Herstellung von Käse von der Pike auf gelernt – unter anderem im Allgäu.
Die „Meckerei“ in Landau-Queichheim setzt ganz auf regionale Vermarktung. Ein großer Teil der Produkte wird im Hofladen verkauft, einiges geht an Wiederverkäufer, Weinstuben, Hotels und Restaurants in der Region, auch in der Sterneküche und bei einem Gourmet-Kritiker fanden die Käse schon Beachtung. Wann immer möglich, übernehmen die Schwestern Michaela und Claudia das Ausfahren der Ware umweltbewusst selbst mit dem Fahrrad. Die Schwestern freuen sich auf diese Stunden, sie sind für sie in dicht gefüllten Tagen Zeiten der Ruhe, der Entspannung und erlauben persönliche Gespräche.
Vor allem Familien mit Kindern kommen gerne zur „Meckerei“, weil die Ziegen – unter Aufsicht – auch gestreichelt und gefüttert werden dürfen. Dann gibt es noch einen dicken Kater auf dem Hof, Hühner, zwei Pferde und seit kurzem auch zwei Jersey-Kühe, deren fettreichere Milch die Angebotspalette erweitert – etwa um Mozzarella-Käse. Schulklassen sind oft zu Gast und Kindergärten, aber auch Landfrauen informieren sich – anknüpfend an vergangene Zeiten und mit Interesse am neuen Erfolg der Ziegenzucht.