Die Gute Nachricht weitergeben
Zu dieser Botschaft bekenne ich mich offen und ohne mich zu schämen, denn das Evangelium ist die Kraft Gottes, die jedem, der glaubt, Rettung bringt.
Römer 1,6
Ich glaube an Jesus Christus! Jawoll, das tue ich! Wenn ich jetzt vor Ihnen stünde, könnten Sie überprüfen, dass ich bei diesem Satz nicht rot vor Scham geworden bin. Ganz im Gegenteil: ICH GLAUBE AN JESUS – das fühlt sich gut und total richtig an. Nicht peinlich und schon gar nicht merkwürdig oder exotisch.
Kein leises Vor-Sich-hin-Glauben
Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass wir Christen meinen, uns für unseren Glauben schämen zu müssen. So, als wäre uns das Thema Jesus unangenehm geworden, als wären wir unsicher, ob man das noch so sagen darf. Doch für dieses leise, nach innen gekehrte Vor-Sich-Hin-Glauben gibt es meiner Erfahrung nach überhaupt keinen Grund!
Glauben öffentlich machen
Mit Sicherheit gibt es viele Verse, die größere Wahrheiten beinhalten als der oben zitierte. Ich habe mir aber diese Bibelstelle herausgepickt, weil sie für mich so herrlich greifbar ist. Und weil sie für mich persönlich sehr konkrete Auswirkungen hatte, von denen ich hier berichten kann.
Erst vor drei Jahren habe ich meinen Glauben öffentlich gemacht. Als stellvertretender Chefredakteur bei „Bild“ schrieb ich damals den Artikel:
„Warum ich mich heute als Christ outen möchte.“
In dem Text ging es um ISIS-Terror und mein Gefühl, dass wir Christen immer stummer wurden im Angesicht dieser unfassbaren Taten – angeblich im Namen eines Gottes. Glaube war in dieser Zeit alles andere als cool, manchmal sogar verdächtig.
Braucht es Mut, sich zum Glauben zu bekennen?
Es gab tausende Reaktionen auf diesen „Bild“-Artikel. Klar, auch hämische und spöttische. Aber viele Menschen bedankten sich für den Mut, diese Gedanken aufzuschreiben. Das tat gut – brachte mich aber auch ins Grübeln: Braucht es wirklich Mut, sich laut zu Jesus zu bekennen? Ist es eine lästige, an die eigenen Grenzen führende Verpflichtung, was von Christen da in 2. Timotheus 4,2 gefordert wird:
„Verkünde die Botschaft Gottes! Ob sie erwünscht ist oder nicht.“?
Heute kann ich sagen: nein! Zumindest nicht in unseren Breitengraden. Zumindest nicht in meinem Fall.
Ich berichte von meiner Glaubensfreude
Dank des „Bild“-Artikels bekam ich reichlich Gelegenheit, öffentlich zu meinem Glauben zu stehen. Ich durfte ein Buch über meine Umkehr zu Jesus schreiben, Interviews geben, Vorträge halten. Nichts davon gehörte zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Bei dem Buch war ich nervös, ob es von Kritikern zerrissen werden würde – was hatte ich schon zu erzählen? Vor den Vorträgen graute es mir anfangs, weil ich einfach nicht gern im Rampenlicht stehe und grundsätzlich hektische rote Flecken bekomme.
Doch ich wollte Gottvertrauen üben.
Er fordert von uns das Bekenntnis. Von Paulus lesen wir, wie er in unvergleichlich härteren Situationen seinen Glauben bezeugt hat. Also nahm ich mir vor: Wenn ich die Chance habe, von meiner Glaubensfreude zu berichten, dann will ich das tun. Egal, wo. Egal, wann.
Haben mich atheistische Kollegen, Freunde oder Bekannte deshalb schräg angeschaut? Fast nie! Die häufigsten Reaktionen waren wohl: „Ich glaub nicht dran, aber schön, dass du deine Werte gefunden hast.“
„Irgendwie beneide ich dich darum. Wäre ja schon cool, wenn das alles stimmen würde.“
Großartige Christen
Von Christen bekam ich unfassbar viel Ermutigung und Zuspruch. Ich war und bin ein Glaubens-Grünschnabel, der erst vor knapp fünf Jahren zu Jesus Christus umgekehrt ist. Aber ich durfte lernen: Die Gemeinschaft der Christen ist wundervoll und stark. Hätte ich diesen Schritt in die Öffentlichkeit nicht gemacht – ich würde wohl noch immer auf der Stelle treten und leise in mich hinein glauben.
Ich habe in den vergangenen Jahren ganz großartige Christen kennengelernt. Einige davon sind so tief im Glauben verwurzelt, dass jeder nach spätestens drei Minuten Gespräch weiß, dass sie Jesus nachfolgen. Doch dann gibt es noch diese große Masse der eher stillen Gläubigen.
Sie beten, gehen hin und wieder in den Gottesdienst – aber sie sprechen nicht gern über den Glauben. Sie tragen ihn im Herzen, doch sie strahlen nicht nach außen.
Dabei ist die Gute Nachricht so mächtig. Wir sollen sie weitergeben, sollen einladen. Gott will alle Menschen retten.
Christliche Glaube ist quicklebendig
Natürlich bin ich auch auf die Nase gefallen bei meinen Versuchen, weiterzugeben und einzuladen. Natürlich bekomme ich Leserbriefe, die mir sagen, was ich alles falsch mache und falsch verstanden habe; oder Kommentare auf Facebook, die mir erklären, wie dumm und naiv doch der Glaube sei. Ich musste mich aber bislang nie gegen einen Sturm stellen. Eher hin und wieder in erfrischende Brisen, die mich ein bisschen durchgepustet und oft weitergebracht haben.
Nein, der christliche Glaube ist weder angestaubt, noch naiv, noch peinlich. Er ist quicklebendig und findet mitten im Leben statt. Diese schöne Erfahrung habe ich erst gemacht, als ich begonnen habe, mit anderen über Jesus zu reden.
Pauls schreibt: „Zu dieser Botschaft bekenne ich mich offen und ohne mich zu schämen, denn das Evangelium ist die Kraft Gottes, die jedem, der glaubt, Rettung bringt.“
Mir liegt dieser Vers auch deshalb am Herzen, weil es genau darum geht: um unsere Rettung.
Keiner muss alleine gehen
Die Worte in der Bibel sind für mich kein Buffet zur freien Auswahl: Man nehme nur das, was einem schmeckt, und lasse den Rest links liegen. Die Bibel stellt Anforderungen an uns. Eine davon ist das Bekenntnis.Auch für mich war dies zu Beginn eine Herausforderung. Doch meine Sorgen waren unbegründet. Schließlich muss kein Christ diesen Weg allein gehen.
Sich von Jesus an die Hand nehmen und führen zu lassen, sich öffentlich darüber zu freuen – das ist für mich keine schamvolle Pflicht mehr. Es ist meine Rettung.
Autor: Daniel Böcking