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Pilgern

Schnupper-Pilgern als Projekt ausgewählt

Firmlinge aus Wörth und Maximiliansau absolvieren den Pfälzer Jakobsweg

Laufen, laufen, laufen – und irgendwann fällt der ganze Ballast von einem ab... Zwei der Südpfälzer Firmlinge auf dem Hochplateau vor Hornbach. Foto: Schottmüller

Neues wagen – dies war der Antrieb der sechs Firmlinge der Pfarrei Maria Himmelfahrt in Wörth. Unter verschiedenen Angeboten wählten die Jugendlichen erstmals die Wanderung auf dem Pfälzer Jakobsweg zum Grab des heiligen Pirminius in Hornbach.   

Prolog, Pfarrheim Wörth, 18.30 Uhr:
„Ist jemand von euch schon mal weiter als 20 Kilometer gelaufen?“ Julia, Loreen, Teresa, Elias, Florian und Philipp, 16-jährige Firmlinge aus Maximiliansau und Wörth, schütteln den Kopf. Hintergrund der Frage sind die vor uns liegenden 80 Kilometer von Bad Bergzabern nach Hornbach, die wir nächste Woche in drei Etappen miteinander unter die Füße nehmen wollen. „Kein Problem. Denkt bitte daran: Der Rucksack darf nicht mehr als sieben Kilo wiegen; lauft ab heute bei jeder sich bietenden Gelegenheit; überlegt euch ein persönliches Pilgeranliegen, das hilft bei Durststrecken! – Und: Wir laufen bei jedem Wetter!“

Tag 1, Bahnhof Wörth 8.00 Uhr:
Alle sind gekommen – ein positives Zeichen. Alle sind auch ein wenig nervös, wie sich das zu Beginn eines kleinen Abenteuers gehört. Die Rucksäcke werden passend eingestellt und schon bringt uns der Zug bei kühlem, klaren Wetter nach Bad Bergzabern. In der dortigen Pfarrkirche bedenken wir zu Beginn unseres Weges den komplexen Lebensweg der seligen Edith Stein und unsere eigenen Pilgeranliegen. Im Kurpark streifen uns die ersten Sonnenstrahlen. Wir verpacken die wärmenden Jacken. Jetzt geht’s endgültig los. Der Weg schlängelt sich idyllisch an einem kleinen Bach entlang. Alle fremdeln ein wenig, jeder beobachtet verstohlen die anderen: Kann ich mithalten? Der ungewohnte Rucksack drückt und zieht nach hinten.

Am Ortsausgang von Birkenhördt zögere ich kurz. „Wohin?“ fragt eine freundliche Anwohnerin. „Nach Lauterschwan!“ – „Hier immer geradeaus!“, meint sie – was sich als falsch erweist und uns einen kurzen, aber heftigen Steilanstieg beschert. Ich bin sauer auf mich selbst: Was für ein mieser Pilgerführer!

Nach Lauterschwan haben wir unser Tempo gefunden, Grüppchen zu zweit oder dritt haben sich gebildet, es wird erzählt und gelacht. Eine „Waldautobahn“ führt uns rasch in Richtung Burg Berwartstein. Am Kiosk des idyllischen Badeweihers Seehof genießen die Damen einen Cappuccino und lassen sich von der strahlenden Sonne bräunen. Die Jungs haben sich in den Wald verzogen und schneiden Pilgerstöcke zurecht.

Nach Erlenbach erwartet uns der erste größere Anstieg. Wir gehen ihn an wie alle folgenden: Wir starten gemeinsam, jeder läuft in seinem Tempo hoch, oben angekommen warten wir aufeinander.

Mitten im Wald fragt Elias plötzlich: „Ist es eigentlich noch weit? Mein rechter Fuß tut so weh!“ Am Friedhof vor Bundenthal verarzten wir ihn mit Fußcreme und flotten Sprüchen: „Guter Platz zum Ausruhen.“ – „Hier ist schon so mancher liegen geblieben!“ Was ihm wohl mehr hilft?

In der Mittagshitze erreichen wir Rumbach und eilen zum Dorfbrunnen, denn alle Trinkflaschen sind bereits leer getrunken. Elias darf seinen Rucksack weitergeben. Auch die schmalen Schultern der zierlichen Loreen sind vom ungewohnten Gepäck gezeichnet. Die sportliche Teresa packt ihn klaglos zu ihrem. Endlich überqueren wir mit leichtem Triumphgefühl den langen Holzsteg, der über den Sumpf zur Bildungsstätte Heilsbach bei Schönau führt. Dort treffen wir beim Abendessen auf eine DJK-Wandergruppe des Bistums, die uns gebührend bestaunt. Der Abend vergeht mit „6 nimmt“-Spielen und trinken, trinken, trinken. Eine Tube Voltaren macht die Runde.

Tag 2, Heilsbach 9.00 Uhr:
Alle stehen zum Weitermarsch bereit, auch Elias. Nach einer Einstimmung in der Hauskapelle gehen wir los – weniger leichtfüßig als die DJK-Gruppe, die winkend mit Laufschuhen, Wanderstöcken und Minirucksäcken in den Wald entschwindet. Kurz vor Fischbach entfährt Elias ein Schmerzenslaut: Sein rechter Fuß ist definitiv wund gelaufen, er blutet. Zum Glück sind Bekannte in der Nähe. Nach einem Anruf wird er von ihnen abgeholt. Wie hat eigentlich Napoleon ohne Handy 100000 Mann nach Moskau gebracht?

Die Gruppe nimmt unabgesprochen richtig Fahrt auf. Rasch liegt der schön gelegene Saarbacherhammer, ein weiterer Badesee, hinter uns. Über schmale, feuchte Waldwege, die stellenweise an den Fangornwald aus „Herr der Ringe“ erinnern, ziehen wir die so genannte „Eselsteige“ hinauf. Auf einem Waldparkplatz halten wir im Sonnenschein und tiefer Stille Mittagsrast. Abwärts geht’s durch Wald und verwildertes Wiesengelände, alles recht urwüchsig.

Eine kleine Kaffeepause in Eppenbrunn stärkt uns für den finalen Anstieg nach Kröppen. Im „Gasthof Knerr“ erwarten uns gemütliche Zimmer und ein reichhaltiges Abendessen, wobei es eine diffizile Aufgabe bleibt, Fleischliebhaber, Vegetarier und Ayurveda-Anhänger satt zu kriegen.

Der Abend vergeht rasch. Wir spielen wieder „6 nimmt“. Der Voltarenverbrauch schnellt in die Höhe. Kann eine Treppe zum Schlafzimmer so beschwerlich sein, selbst ohne Rucksack?

Tag 3, Kröppen, 8.15 Uhr:
Noch 18 Kilometer bis Hornbach, ein Klacks! Die gesamte Strecke ist asphaltiert, wir kommen flott voran. Die „Blasenträger“ leiden, beißen aber die Zähne zusammen. Die Ausblicke auf der Hochebene vor Hornbach sind gigantisch, ein erfrischend kühler Wind weht uns im Sonnenlicht entgegen. „Du gehst und gehst so vor dich hin – alles, was belastet, fällt einfach irgendwann ab!“, sagt Philipp nach der Tour. Wie auf dem nordspanischen Jakobsweg pilgern wir nach Westen, der eigene Schatten bleibt daher ständig im Blick – auch darüber kann man meditieren.

Loreen, Teresa und Florian preschen voran, sie wollen Hornbach unbedingt vor 12 Uhr erreichen. Ins Erzählen, Lachen und Rennen vertieft, verpassen sie eine Abzweigung am Stausteinerhof. Wir Restlichen brüllen sie aus Leibeskräften zurück.

Das Ziel wird früh sichtbar, unser dreiköpfiger Voraustrupp beginnt zu schwächeln. Wir empfinden es dann als sehr stimmig, miteinander das Pirminiusgrab zu erreichen: kaputt und leicht euphorisch nach 80 zurückgelegten Kilometern; zudem ausgesprochen glücklich, nicht wie mittelalterliche Pilger den Heimweg ebenfalls zu Fuß antreten zu müssen. Esther und Tom, unsere Fahrer, sind eingetroffen. Sie verstauen unsere Rucksäcke und die wertvollen Pilgerstöcke ins Auto. Ein dankbares und fröhliches Hallelujalied erfüllt die hallige Kapelle, dann „fliegen“ wir gefühlt in anderthalb Stunden nach Hause.

Epilog, Wörth, St. Theodardkirche, 17.30 Uhr:
„Welches Firmprojekt hast du gewählt?“ fragt Bischof Dr. Wiesemann Florian bei der Firmung. „Ich war pilgern!“ – „Und wie war’s? Anstrengend?“ - „Ja! Aber toll!“ (HWS)

Januar 2017

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