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Pilgern

Mit der Rolltreppe zum Nationalheiligtum

Das mexikanische Guadalupe ist mit jährlich 20 Millionen Besuchern der größte Pilgerort der Welt

Die Basilika in Guadalupe bietet Platz für 40000 Besucher. Foto: actionpress

Die Basilika von Guadalupe, in der Papst Franziskus an diesem Samstag, 13. Februar, einen Gottesdienst feiert, ist der größte Wallfahrtsort der Welt. Das Heiligtum am Tepeyac-Hügel in

einem Außenbezirk von Mexiko-Stadt besuchen jährlich rund 20 Millionen Pilger, mehr noch als den Petersdom in Rom oder den südfranzösischen Marienort Lourdes. Allein um den 12. Dezember, den Festtag der „Nuestra virgen de Guadalupe“, kommen rund fünf Millionen Menschen. Für das Verständnis der mexikanischen Religiosität spielt das Geschehen von Guadalupe eine Schlüsselrolle.

Der Überlieferung nach war Maria am 9. Dezember 1531 erstmals dem damals 57-jährigen Indio Juan Diego Cuauhtlatoatzin auf dem Tepeyac erschienen. Sie erteilte ihm in seiner eigenen Sprache den Auftrag für den Bau einer Kirche auf dem Hügel, um hier den Menschen „Liebe, Hilfe und Mitgefühl“ geben zu können. Es gab weitere Erscheinungen am selben Ort, zuletzt am 12. Dezember 1531. Obwohl es Winter war, blühten auf dem Hügel unzählige „kastilische Rosen“, die bis dahin in Mexiko unbekannt waren. Juan Diego pflückte sie auf Anweisung Marias und brachte sie dem Bischof in seiner „Tilma“. dem klassischen aztekischen Poncho. Als er den Poncho aufschlug, war laut Überlieferung auf dem Stoff das später verehrte Bild der Madonna von Guadalupe mit Gesichtszügen einer Mestizin sichtbar. Trotz aller Untersuchungen, die auch die antiklerikalen Machthaber in Mexiko seit Mitte des 19. Jahrhunderts veranlassten, ist bis heute unerklärlich, wie das Bild auf das Gewebe gelangt ist.

Die Jungfrau von Guadalupe ist die Patronin Mexikos, von Nord- und Südamerika und den Philippinen, der Ungeborenen und der Indios. Die Verehrung ihres Gnadenbildes trug wesentlich dazu bei, dass sich die indianischen Völker Zentral- und Südamerikas zum Christentum bekehrten. Die mexikanische Madonna wird als Brücke zwischen der von den Franziskanern evangelisierten aztekischen Kultur, dem iberischen Christentum und der Mestizen-Mischkultur gesehen.

Heute ist nicht nur in mexikanischen Kirchen, sondern auch in den Häusern und in der Alltagskultur des Landes das Bild der dunkelhäutigen Maria allgegenwärtig. Den ironisch gemeinten Ausspruch „Ich bin Atheist, aber Guadalupano“ griff Papst Franziskus zuletzt in einem Interview im Vorfeld seiner Mexiko-Reise auf, um das Ausmaß dieser Form der Marienverehrung hervorzuheben.

An der Stelle der Erscheinung am Tepeyac wurde zunächst eine kleine Kapelle errichtet. Später entstand am Fuß des Hügels ein eindrucksvoller Spätrenaissance-Bau. Als Mitte des 20. Jahrhunderts der Untergrund absank, musste die Basilika für Besucher gesperrt werden. Heute ist sie wieder zugänglich, wird jedoch nur noch als Museum genutzt.

Eine angrenzende neue Basilika, entworfen vom mexikanischen Architekten Pedro Ramirez Vazquez, wurde ab 1974 errichtet und 1976 geweiht. Der an ein Zelt in der Wüste erinnernde Sakralbau bietet 40000 Besuchern Platz und ist damit eine der größten Kirchen weltweit. Das Gnadenbild ist auf der Rückwand der Kirche angebracht. Um den Besucherandrang zu bewältigen, können sich die Gläubigen der „Tilma“ auf einer im Untergeschoss des Altarbereiches installierten mehrspurigen Rolltreppe für einige Sekunden nähern.

Juan Diego wurde 1990 von Johannes Paul II. selig- und 2002 heiliggesprochen – als erster Indio der Kirchengeschichte. (red)

Februar 2016

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